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Archiv für den Monat Oktober 2007

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PAPIER IM REISSWOLF

“In den Wind geschrieben”.

Seit es Papier gibt, lebt die Überlieferung schriftlich. Und das Wissen vervielfacht sich in immer kürzeren Zeiträumen. Nur: mit zunehmend darauf versammelter Anhäufung von Weisheit trägt das Papier ebenso zunehmend zur Zerstörung der Welt bei. Das Wissen vernichtet uns. Und wir wissen das!

Zur Papiererzeugung werden Wälder im Raubbau abgeholzt. Flüsse mit Bleichmitteln vergiftet. Und auch die Entsorgung häuft Probleme auf: Das Verrotten zerstört den Boden. Das Verbrennen killt die Luft… – Der Bedarf nimmt zu. Und der Schaden. Proportional. Je mehr Papier, desto weniger Wald! Je weißer das Papier, desto schwärzer das Wasser; je feiner, desto gröber die Chemikalien; und je haltbarer, desto unhaltbarer die weitere Fabrikation.

Papier ist geduldig! Aber nicht mehr Prof. Keppelmann. Seine Erkenntnis: “Einmal ist jeder Anfang am Ende! The start is the aim.” (Keppelmann, H.: The Mastering of the Crisis, Chicago 2003, Seite 64) bringt nun diesen unseligen Fortlauf zum Stillstand.

Völlig respektlos gegenüber den historisch-kulturellen Verdiensten, im rückenstärkenden Bewusstsein Dr. Keppelmanns Aussagen, ging das iii-product-team nun dem Papier zu Leibe. Da konnte der Erfolg nicht ausbleiben: “Das Grüne Blatt” (RUBBERS GREEN-PIECE, TM).

Den Technikern eine Freude. Den Umweltschützern ein Genuss. Hergestellt aus 100%-holzfreiem und damit wirklich total waldschonendem Spezialkunststoff. Mit vollsynthetischem, schadstofflosem Original-Chlorophyl (elegant-pastellig) begrünt. Reißt nicht. Knittert nicht. Gilbt nicht. Hinterlässt beim Verbrennen keinerlei Rückstände außer reiner Luft (ja, verbessert sogar unsere Luft durch den allseits bekannten Chlorophyl-Effekt) und klarem Wasser.

So weit, so gut! Aber das allein macht bei weitem noch nicht den wirklich durchschlagenden Verkaufserfolg der Idee aus.

Durch eingegossene, speziell höchstentwickelte optoelektronische Bio-Mikrochips wird das Material direkt-speicherfähig. Sprache, Schall-Wellen, werden in digitale Schriftzeichen umgewandelt. Sichtbar. Oder rückwirkend auch hörbar. Man muss das Blatt nur vor den Mund halten. Schreiben ist überflüssig. Und Lesen. Der Analphabetismus besiegt.

Das “Grüne Blatt” ist lernfähig. Die Bio-Chips wurden mit immensen Speicherkapazitäten und ausgeklügelter Quervernetzung ausgestattet. Nach einer gewissen individuellen Gewöhnungsphase haben sich Eigenheiten und Schreibstil des Inhabers dem Papier eingeprägt. Dann genügt eine kurze Inhaltsvorgabe – und das Blatt beschreibt sich selber. Selbstverständlich fehlerfrei.

Der Beruf der Sekretärin, ohnedies nicht nur von Frauenrechtlerinnen als entwürdigende Dienstleistung an der herrschenden Klasse verpönt , erübrigt sich wohl damit in Zukunft.

Die neueste Produkt-Ausweitung ermöglicht durch direkten Körperkontakt – in-der-Hand-halten genügt – nun auch die direkte, die physische Gedankenübertragung. Das Blatt ist über die menschlichen Nervenbahnen direkt mit den Hirnganglien verbunden. So kann es die Gedanken direkt an der Quelle übernehmen und niederschreiben. Be-Sprechen ist da nicht mehr nötig.

Die Entwicklung steht aber nicht still. Neuerdings werden Fach-Blätter nach diesem System angeboten. Sämtliche derzeit verfügbaren Erkenntnisse über spezielle Wissensgebiete sind bereits einprogrammiert. “Das Grüne Polit-Blatt”. “Das Grüne Wirtschafts-Blatt”. “Das Grüne Umwelt-Blatt”. Da kann man sich seine Meinung aus voller Information und aus erster Hand bilden. Greifen Sie nur zu. Dann wissen Sie’s. Direkt über die Nervenbahn – denn die Übertragung funktioniert natürlich in beiden Richtungen. Hin, und auch zurück – vom “Grünen Blatt” ins Hirn!

Mühsames Wissen-Ansammeln ist überflüssig. RUBBERS GREEN-PIECE,TM macht das viel besser. Der Mensch muss nur mehr denken. Denken heißt: ‘Das Wissen auswerten’ . Aber Prof. Keppelmann ist dabei, auch in Bezug auf diese – vielen wirklich lästige – Arbeit, “Das Grüne Blatt” weiterzuentwickeln.

BALD DENKT ES SELBER!

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WO KEINER HILFT, IST

KEINE HILFE!

WITHOUT PUFF NO LUFF!

Keppelmann, H.: The Mastering of the Crisis, Chicago 2003, S. 914

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