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ERINNERN SIE SICH
“Die Vergangenheit aufarbeiten”.
Wer kann sich noch erinnern. Wirklich erinnern? Ohne Hilfsmittel vergessen wir schnell. Oder verändern unbewusst. Die rosarote Brille. Selbst der Krieg wird zum Abenteuer.
Unsere Erinnerung ist unverlässlich. Im höchsten Grade. Und doch, oder gerade deswegen, sind wir an der Vergangenheit interessiert. Wie’s wirklich war. Die Geschichtsforschung lebt davon. Die Statistik. Die Völkerkunde. Und die Fotoindustrie.
Die Erinnerung festhalten. Sich an Erinnerungen festhalten. Zukunft ist Nebel. Vergangenheit war Realität. Etwas, das tatsächlich geschehen ist. Beweisbar. Auch in der Zukunft. So bleibt wenigstens irgendwas Fixes in der wabbernden Ungewissheit. Auf etwas bauen können. Aus Erfahrung lernen. Tradition pflegen. Hochkultur fördern. Einen festen Halt haben!
Und trotzdem sind wir noch hinten. Haben nicht einmal noch das Mittelalter aufgearbeitet. Können nur vermuten. Und wissen nichts. Was bringen vermoderte Scherben? Was nützen akribische Schriften. Was sollen verblichene Bilder. - Denkmäler vermitteln kein Wissen. Auch die Vergangenheit bleibt wohl im Dunkel.
Dann eben das Heute. Und Gestern. Die Gegenwart für die Zukunft dokumentieren. Den Fehler nicht nocheinmal machen. - Die Industrie hat sich angestrengt. Die Forschung war emsig. Die Investitionen flossen. Die Erfolge blieben nicht aus: Mikrofon. Schallplatte. Foto. Film. Magnetband. Diskette. DVD - Das Geschehen lässt sich aufzeichnen. Immer besser.
Man ist auch weiterhin an der Arbeit. Qualitäts-Steigerung. Konservierungs-Verbesserung. Einsetzbarkeits-Optimierung. Miniatur-Kameras speichern Bild und Ton digital. Direkt vom Schau-Platz. “Live”. Und doch ist alles nur Stückwerk. Bearbeitet. Unvollständig. Verfälscht. Mühsam. Kein Zeit-Dokument. Kein Ab-Bild der Wirklichkeit. Nur Anreiz für unser schnell verblassendes Erinnerungs-Vermögen. Keine feste Basis. Nach wie vor.
War alles vergebens? Haben wir so weiterzuleben? Von Ungewissheit umschlossen? Prof. Keppelmann sieht einen Weg vor sich. Den neuen Weg. “Nur die Gegenwart hat Zukunft. Now is then.” (Keppelmann, H.: The Mastering of the Crisis. Chicago 2003. Seite 126).
Ausgehend von dieser Grundidee war es dem iii-product-team dann ein Leichtes, die “Nach-Sicht” zu erfinden (RUBBERS MEAN-TIME, TM). Die “Nach-Sicht” ermöglicht nun wirklich echte Wiedergabe des Geschehens. Bis aufs letzte Detail gleich dem tatsächlich Erlebten. Deckungs-gleich. Dabei ist der technische Aufwand gering. Fast durchwegs mit einfachsten heutigen Mitteln realisierbar. Digital-Speicherung. Nur der Ansatzpunkit ist neu: Unsere Sinnesorgane.
Die Original-Eindrücke, die uns erreichen, werden über Sensoren direkt abgenommen. Und kompakt konserviert. Um des umfangreichen Datenanfalls Herr zu werden, war die Speicherleistung in gänzlich neue Dimensionen zu heben. In zwei Stoßrichtungen konnten hier schon nach relativ kurzer Zeit Optimalwerte erzielt werden: zum Einen ist es durch extremste Daten-Verkleinerung zur absoluten Minimierung des Informationsumfanges gekommen. Ein Daten-Ablesen ist jedoch mit der dazuentwickelten Digital-Lupe kein Problem. Zum anderen konnte die Plattenkapazität mittels fünfdimensionaler Koordinatenschleier-Kompression derart enorm angehoben werden, daß praktisch unbegrenzte Möglichkeiten auf kleinstem Raum zur Verfügung stehen. Unbegrenzt insofern, als bis zu hundert Jahre lang täglich vierundzwanzig Stunden aufgenommen werden könnte, um die Platte wirklich zu füllen. Ein Menschenleben. An der Erweiterung wird gearbeitet. Die Miniaturanlage, aus verschleißfestem Kunststoff gefertigt, wird im Fettpolster des Gesäßes eingepflanzt. Beeinträchtigungen beim Sitzen oder Gehen sind nicht zu erwarten.
Die Wiedergabe von Speicher-Inhalten erfolgt durch Rück-Einspeisung wieder an die Sinnesorgane. Und genau gleich, wie dazumal das echte Geschehen, gelangen die Eindrücke auch der Wieder-Holung über die entsprechenden Nervenbahnen ins Gehirn. Zur Auswertung.
Übrigens lassen sich auch Träume aufzeichnen. Phantastereien. Die das Hirn aussendet. Fata-Morganas für das innere Auge. Hartnäckige Einflüsterungen eigen-sinnig im Ohr. Prickelndes Fühlen auf angespannter Haut. - Sinnes-Täuschungen können so Wirklichkeit werden. Sind auch Wirklichkeit!
Man kann sein Leben an sich vorbei-ziehen lassen. Jede Minute. Die Vergangenheit wird lebendig! Auf Wunsch auch im Zeitraffer.
Die Ausweitung ist unumgänglich. Es kann nicht auf die Dauer befriedigen, nur die eigenen Vergangenheiten zu speichern. Wo bleibt das Umfeld? Der Über-Blick entsteht erst durch verschiedene Sichten. Man muss die Daten sammeln. Und koordinieren. Datenbanken aufbauen. Fernübertragungs-Netze. Dann kann jeder zugreifen. Einblicke gewinnen. Fremde Erfahrungen machen. Echt, wie die eigenen.
Nur eines stimmt Prof. Keppelmann nachdenklich: Echt. Unecht. Fremd. Eigen. Heute. Gestern….. Wer merkt noch den Unterschied?
Gibt es einen?
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WO KEINER HILFT, IST
KEINE HILFE!
WITHOUT PUFF NO LUFF!
Keppelmann, H.: The Mastering of the Crisis, Chicago 2003, S. 914
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